Nachdem AfD-Bürgermeisterkandidat Max Ostermeier zu einem Podiumsgespräch der Buchholzer Wirtschaftsrunde ausdrücklich nicht eingeladen wurde, plant er am Freitag nun einen eigenen „Wirtschaftsdialog“. Dass dieser im Boutique Hotel Buchholz stattfinden soll, wird nicht öffentlich kommuniziert, gilt aber als sicher. Wie verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen, die das Hotel konfrontiert und einen offenen Brief verfasst haben, berichten, zieht sich die Geschäftleitung auf die Gleichbehandlung aller „demokratisch zur Wahl stehenden“ Parteien zurück – wie billig! Doch werfen wir mal einen genaueren Blick auf die BHB Boutique Hotel Buchholz GmbH:
Ein alter Bekannter aus der Hamburger Wirtschaft
Auf der Website des Hotels werden „Matthias Kampmann“ und Tobias Nikolaides als Geschäftsführer angegeben. Die beiden haben laut Unternehmensdaten das Hotel Mitte 2025 übernommen. Der erstgenannte Geschäftsführer heißt dort jedoch Mathias Detlef Kampmann (mit einem „t“ im Vornamen) – Wer sich mit Hamburger Wirtschaftskriminellen beschäftigt hat, dürfte diesen Namen bereits kennen:
Kampmann war viele Jahre mit dem Reiseveranstalter Rainbow Tours verbunden. Das Unternehmen war vor allem für günstige Busreisen für Jugendliche und junge Erwachsene bekannt. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren gehörten Wochenendfahrten nach Paris, Lloret de Mar oder an andere europäische Reiseziele zum Angebot. 2001 stieg Kampmann bei Rainbow Tours ein und entwickelte sich zur prägenden Figur des Unternehmens. Das Ende dieser Unternehmensgeschichte beschäftigte später allerdings nicht nur Insolvenzverwalter und Gläubiger, sondern auch die Hamburger Strafjustiz.
Bankrott, Insolvenzverschleppung und 30-facher Betrug
Im November 2020 legte Kampmann vor dem Hamburger Landgericht ein Geständnis ab. Gegenstand des Strafverfahrens waren Vorgänge rund um die Insolvenz der Unternehmen hinter Rainbow Tours im Jahr 2011. Das Handelsblatt berichtete damals, Kampmann habe im Rahmen einer Verständigung vor Gericht Bankrott, Betrug und Insolvenzverschleppung eingeräumt. Am 12. Februar 2021 fiel das Urteil. Das Hamburger Landgericht verurteilte den früheren Rainbow-Tours-Chef zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kampmann sich des Bankrotts, der Insolvenzverschleppung und des 30-fachen Betrugs schuldig gemacht hatte. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Dabei ging es nicht lediglich um eine verspätete Formalität beim Insolvenzantrag. Der vorsitzende Richter sprach laut Handelsblatt von einer geplanten und umgesetzten „heimlichen Abwicklung“ von Rainbow Tours. Neben Kampmann seien daran ein beratender Rechtsanwalt und ein sogenannter Firmenbestatter beteiligt gewesen. Nach den gerichtlichen Feststellungen war Rainbow Tours bereits Anfang September 2011 zahlungsunfähig. Trotzdem liefen Geschäfte zunächst weiter.
Schon Jahre zuvor: das „System Kampmann“
Bemerkenswert ist, dass Kampmanns Geschäftspraktiken schon viele Jahre vor dem Urteil Gegenstand umfangreicher journalistischer Recherchen waren. Die Welt veröffentlichte Anfang 2014 unter der Überschrift „Er tut es immer wieder“ eine ausführliche Geschichte über Kampmann und sein damaliges Firmengeflecht. Ein Geschäftsführer begründete seine fristlose Kündigung laut Welt 2013 damit, eine weitere Beschäftigung erscheine ihm wegen aus seiner Sicht gesetzeswidriger Maßnahmen, mangelnder Kapitalausstattung und hoher Verbindlichkeiten nicht mehr möglich. Wenige Monate später warnte ein weiterer Betriebsleiter Kampmann schriftlich vor einer möglichen Insolvenzverschleppung und erklärte, diese nicht mittragen zu wollen.
Berichte über den Umgang mit Beschäftigten
Noch drastischer waren einige Aussagen ehemaliger Mitarbeiter über Kampmann als Arbeitgeber. Die Welt berichtete 2014 von Mobbing und massiven Arbeitsbelastungen erzählt hätten. Kampmann soll Mitarbeiterinnen wegen ihres Aussehens und Gewichts beleidigt haben; Auszubildende hätten teilweise extrem lange Schichten absolvieren müssen. Eine frühere Mitarbeiterin schilderte außerdem, dass Kampmann sie genötigt habe, einer Schuldnerin damit zu drohen, dass er ihr einen Finger abschneiden lassen würde, sollte sie die Raten nicht überweisen. Die Recherchen zeichnen das Bild eines Unternehmers, dessen Umgang mit zahlungsunfähigen Firmen, Geschäftspartner*innen und Beschäftigten schon lange vor dem späteren Strafurteil mehr als zweifelhaft war.
„Rückgrat“
Auf die Frage, was ihm besonderes imponieren würde, anwortete Kampmann 2010 in einem Interview: „Rückgrat.“ Dass er selbst keines hat, bewies er schon häufig. Dieses Mal, indem er der AfD sein Hotel zur Verfügung stellt! Und: Dass Max Ostermeier auf seiner Website mit einem Foto des Boutique Hotels Buchholz wirbt, ist bestimmt nur Zufall (Hintergrund der Abbildung). 😉
Quellen
- https://harburgeiniggegenrechts.de/offener-brief-an-das-boutique-hotel-buchholz-kein-raum-der-afd/
- Handelsregisterinformationen zur BHB Boutique Hotel Buchholz GmbH und zu Mathias Detlef Kampmann:
https://www.northdata.de/BHB%20Boutique%20Hotel%20Buchholz%20GmbH,….
- Handelsblatt, 2020: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/tourismus-rainbow-tours-pleite-ex-chef-gesteht-bankrott-betrug-und-insolvenzverschleppung/26293344.html
- Handelsblatt, 2021: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/insolventes-busunternehmen-heimliche-abwicklung-ex-chef-von-rainbow-tours-zu-bewaehrungsstrafe-verurteilt/26911170.html
- Die Welt, 2014: https://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article124402943/Er-tut-es-immer-wieder.html
- Hamburger Abendblatt 2010: https://www.abendblatt.de/wirtschaft/karriere/article107657445/Acht-Fragen-an-Mathias-D-Kampmann.html
